ChainRight

Anlegerschutz bei Krypto-Betrug: Rechtliche Optionen

Ein aktueller Fall aus Frankenthal zeigt einmal mehr die perfide Masche von Krypto-Betrügern: Eine 47-jährige Frau verlor einen fünfstelligen Betrag, nachdem sie auf eine vorgetäuschte Krypto-Anlage hereingefallen war. Als Rechtsanwalt Dr. Kurth aus Frankfurt am Main, mit Schwerpunkt Krypto-Betrugsopferhilfe, sehe ich solche Fälle leider regelmäßig. Sie verdeutlichen die dringende Notwendigkeit, rechtliche Optionen für Geschädigte aufzuzeigen und präventiv zu handeln.

Dr. Michel de Araujo Kurth·25.07.2026·5 Min Lesezeit
Kryptobetrug: Rechtliche Aspekte bei Anlegerverlusten

Ein aktueller Fall aus Frankenthal zeigt einmal mehr die perfide Masche von Krypto-Betrügern: Eine 47-jährige Frau verlor einen fünfstelligen Betrag, nachdem sie auf eine vorgetäuschte Krypto-Anlage hereingefallen war. Als Rechtsanwalt Dr. Kurth aus Frankfurt am Main, mit Schwerpunkt Krypto-Betrugsopferhilfe, sehe ich solche Fälle leider regelmäßig. Sie verdeutlichen die dringende Notwendigkeit, rechtliche Optionen für Geschädigte aufzuzeigen und präventiv zu handeln.

Der Fall aus Frankenthal: Eine typische Betrugsmasche

Wie die Polizei mitteilte, hat die Frau aus Frankenthal seit Februar über ein Internetportal Geld in eine vermeintliche Kryptowährung investiert. Die Betreiber der Seite täuschten Gewinne vor, um die Frau zu weiteren Einzahlungen zu bewegen. Bis zur Anzeige bei der Polizei summierte sich der Schaden auf rund 11.000 Euro, die nun in der „Verfügungsgewalt der Betrüger" sein sollen. Dieser Fall reiht sich ein in eine Welle ähnlicher Betrugsfälle, bei denen Kriminelle mit manipulierten Plattformen und falschen Versprechungen arglose Anleger um ihr Erspartes bringen.

Hintergrund: Wie Krypto-Anlagebetrug funktioniert

Die Masche, der die Frau aus Frankenthal zum Opfer fiel, ist ein klassisches Beispiel für Fake-Investment-Plattformen. Diese Betrugsform ist laut Berichten von Europol und dem BKA stark im Kommen.

Typische Vorgehensweise bei Fake-Investment-Plattformen

  • Lockangebote: Opfer werden oft über Social Media, Online-Werbung oder E-Mails auf professionell wirkende Webseiten gelockt, die hohe und schnelle Gewinne mit Kryptowährungen versprechen.

  • Kontakt und Manipulation: Ein vermeintlicher "Finanzberater" nimmt Kontakt auf, baut Vertrauen auf und drängt zu ersten, oft kleineren Investitionen.

  • Vorgetäuschte Gewinne: Auf der Plattform werden manipulierte Diagramme und Kontostände angezeigt, die stetig steigende Gewinne suggerieren. Dies soll das Opfer zu immer höheren Einzahlungen motivieren.

  • Auszahlungsschwierigkeiten: Werden Auszahlungen beantragt, werden plötzlich "Steuern", "Gebühren", "Provisionen" oder "Zertifikate" fällig, die das Opfer ebenfalls zahlen soll.

  • Kontaktabbruch: Sobald das Opfer keine weiteren Zahlungen leistet oder misstrauisch wird, brechen die Betrüger den Kontakt ab und das Geld ist verloren.

Diese Masche ist so erfolgreich, dass der durchschnittliche Schaden pro Opfer bei Online-Trading und Krypto-Anlagebetrug laut BKA-Statistiken oft zwischen 5.000 € und 20.000 € liegt.

Rechtliche Einordnung und Optionen für Geschädigte

Der Fall der Frankenthalerin zeigt deutlich, welche rechtlichen Schritte nach einem Krypto-Betrug in Betracht kommen. Als Rechtsanwalt in meiner Kanzlei in Frankfurt am Main unterstütze ich Mandanten dabei, diese komplexen Fälle aufzuarbeiten.

Strafrechtliche Verfolgung

Der erste und wichtigste Schritt ist die Strafanzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft. Der vorliegende Fall erfüllt in aller Regel den Tatbestand des Betrugs nach § 263 StGB. Da die Täuschung über ein Internetportal erfolgte, kommt auch § 263a StGB (Computerbetrug) in Betracht. Wenn die Betrüger unrichtige Angaben im Rahmen einer Anlageberatung gemacht haben, kann zudem § 264a StGB (Kapitalanlagebetrug) relevant sein.

Die Strafanzeige ist die Grundlage für staatliche Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft kann daraufhin Maßnahmen wie die Beschlagnahme von Vermögenswerten nach §§ 111b, 111e StPO anordnen, um gestohlene Kryptowerte zu sichern. Auch die Einziehung von Taterträgen nach §§ 73-73c StGB ist ein wichtiges Instrument, um den Opfern ihr Geld zurückzuführen.

Zivilrechtliche Rückforderung

Parallel zur Strafanzeige sind zivilrechtliche Schritte entscheidend, um das verlorene Geld zurückzuerlangen.

  • Ungerechtfertigte Bereicherung (§ 812 BGB): Die Betrüger haben die 11.000 Euro der Frau ohne rechtlichen Grund erlangt. Eine Rückforderung ist hierüber möglich.

  • Schadensersatz (§ 823 Abs. 2 BGB, § 826 BGB): Da der Betrug ein Schutzgesetz verletzt (§ 263 StGB), besteht ein Anspruch auf Schadensersatz. Bei besonders skrupellosem Vorgehen der Täter kommt auch eine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung nach § 826 BGB in Betracht.

  • Angreifbarkeit von Fake-Plattform-Verträgen: Viele Fake-Plattformen verfügen nicht über die erforderliche BaFin-Zulassung für das Kryptoverwahrgeschäft (§ 32 KWG). Ein Verstoß gegen die Erlaubnispflicht führt nach gefestigter Rechtsprechung allerdings nicht zur Nichtigkeit nach § 134 BGB, da sich das Verbot allein an den Anbieter richtet. Die Angreifbarkeit solcher Verträge ergibt sich jedoch aus anderen Gründen, insbesondere aus der arglistigen Täuschung nach § 123 BGB sowie aus den genannten Schadensersatzansprüchen.

Bankenhaftung

In bestimmten Fällen kann auch eine Haftung der Bank des Opfers in Betracht kommen. Nach der Rechtsprechung des BGH (XI ZR 56/07 vom 06.05.2008 sowie XI ZR 327/22 vom 14.05.2024) können Banken unter Umständen aus dem Girovertrag heraus eine Warnpflicht gegenüber ihren Kunden treffen, wenn eine objektiv evidente Schädigungsgefahr erkennbar ist. Eine Verletzung dieser Pflicht kann Schadensersatzansprüche begründen. Die Prüfung von Ansprüchen nach § 675u BGB (Haftung bei nicht autorisiertem Zahlungsvorgang) ist ebenfalls ein wichtiger Punkt.

Was Geschädigte jetzt tun können: Handlungsleitfaden

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in schnellem und koordiniertem Handeln. Als Rechtsanwalt Dr. Kurth aus Frankfurt am Main empfehle ich folgende Schritte:

Kryptobetrug: Rechtliche Aspekte bei Anlegerverlusten - Was tun im Betrugsfall? Ihre Handlungsmöglichkeiten
  • Sofortige Beweissicherung: Sichern Sie alle Kommunikationen (Chats, E-Mails, WhatsApp-Verläufe), Transaktionsnachweise, Kontoauszüge und Screenshots der betrügerischen Plattform. Jedes Detail kann entscheidend sein.

  • Strafanzeige erstatten: Gehen Sie zur nächsten Polizeidienststelle oder erstatten Sie online Anzeige. Dies ist unerlässlich für die Einleitung strafrechtlicher Ermittlungen und die spätere Akteneinsicht nach § 406e StPO.

  • Bank informieren: Kontaktieren Sie Ihre Hausbank und informieren Sie diese über den Betrug. Prüfen Sie, ob Zahlungen noch gestoppt oder rückgängig gemacht werden können.

  • Professionelle Hilfe suchen: Kontaktieren Sie einen auf Krypto-Betrug spezialisierten Rechtsanwalt. In meiner Praxis in Frankfurt am Main unterstütze ich Sie dabei, die Spur der Kryptowährungen mittels Blockchain-Forensik zu verfolgen und rechtliche Schritte einzuleiten.

  • Dinglichen Arrest beantragen: Liegt eine lückenlose Spur zu einer zentralisierten Krypto-Börse (CEX) vor, kann ich als Anwalt beim zuständigen Landgericht einen dinglichen Arrest nach §§ 916 ff. ZPO beantragen. Das Gericht ordnet dann die Arrestpfändung an, die von der Börse vollzogen werden kann. Dies ist eine effektive Methode, um die Gelder vorläufig zu sichern.

  • BaFin-Warnliste prüfen: Die BaFin veröffentlicht regelmäßig Warnungen vor unseriösen Anbietern. Ein Blick auf deren Webseite kann weitere Hinweise liefern und die Argumentation für die Angreifbarkeit von Verträgen stärken.

Achtung vor Recovery-Scams!

Seien Sie extrem vorsichtig bei sogenannten "Recovery-Scams". Dabei handelt es sich um Betrüger, die sich als "Hacker", "Insider" oder "private Ermittler" ausgeben und versprechen, Ihr verlorenes Geld gegen eine Vorauszahlung zurückzuholen. Seriöse Rechtsanwälte wie ich arbeiten auf Basis von Mandatsverträgen und transparenten Honorarvereinbarungen, nicht mit Garantie-Versprechen oder Cold Calls.

Internationale Zusammenarbeit und neue Regularien

Die Verfolgung von Krypto-Betrügern ist oft grenzüberschreitend. Hier spielen neue EU-Regulierungen eine wichtige Rolle:

  • MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation): Seit 2024/2025 vollständig anwendbar, schafft MiCA einen einheitlichen Rechtsrahmen für Krypto-Dienstleister in der EU. Plattformen ohne MiCA-Konformität agieren illegal.

  • RL 2024/1260: Diese EU-Richtlinie erleichtert die grenzüberschreitende Anerkennung von Sicherungs- und Einziehungsentscheidungen innerhalb der EU und damit das Einfrieren von Tätervermögen im Ausland.

  • TFR II (Verordnung EU 2023/1113): Die Geldtransferverordnung verpflichtet zur Übermittlung von Sender- und Empfängerdaten bei Krypto-Transfers, was die Rückverfolgung (Tracing) erheblich verbessert.

Diese Instrumente verbessern die Chancen, Krypto-Betrüger zur Rechenschaft zu ziehen und verlorene Gelder zurückzuholen, auch wenn die Täter im Ausland sitzen.

Häufige Fragen

Was ist der erste Schritt nach einem Krypto-Betrug?

Der erste und wichtigste Schritt ist die sofortige Erstattung einer Strafanzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft. Sichern Sie zudem alle Beweise wie Chats, Transaktionsnachweise und Screenshots.

Kann ich mein Geld zurückbekommen, wenn es auf eine Krypto-Börse überwiesen wurde?

Ja, unter bestimmten Umständen. Wenn die Kryptowährungen auf einer zentralisierten und kooperativen Krypto-Börse (CEX) mit identifizierbarem Sitz gelandet sind, kann ein dinglicher Arrest beantragt werden, um die Gelder einzufrieren.

Was ist ein dinglicher Arrest?

Ein dinglicher Arrest ist eine gerichtliche Maßnahme, bei der ich als Anwalt beim zuständigen Landgericht beantrage, Vermögenswerte (z.B. Krypto-Accounts) vorläufig zu sichern, um eine spätere Zwangsvollstreckung zu ermöglichen. Das Gericht ordnet den Arrest an, und die Börse vollzieht die Sperre.

Haften Banken bei Krypto-Betrug?

In bestimmten Fällen kann eine Haftung der Bank in Betracht kommen, insbesondere wenn sie Warnsignale ignoriert oder nicht autorisierte Zahlungen nicht blockiert hat. Dies wird nach § 823 Abs. 2 BGB geprüft.

Was ist eine Blockchain-Forensik?

Die Blockchain-Forensik ist eine spezialisierte Analyse der Transaktionsdaten auf der Blockchain, um den Weg der gestohlenen Kryptowährungen nachzuvollziehen. Sie ist entscheidend, um die Empfänger-Wallets zu identifizieren.

Was ist der Unterschied zwischen einer CEX und einer Self-Custody Wallet?

Eine CEX (Centralised Exchange) ist eine Krypto-Börse, die Ihre Kryptowährungen verwahrt und über KYC-Daten verfügt. Eine Self-Custody Wallet (z.B. Hardware-Wallet, MetaMask) ist eine Wallet, bei der Sie selbst die Kontrolle über Ihre Private Keys haben. Der Zugriff auf Self-Custody Wallets ist für Dritte nicht möglich.

Was ist ein Recovery-Scam?

Ein Recovery-Scam ist eine Betrugsmasche, bei der vermeintliche 'Spezialisten' oder 'Hacker' anbieten, Ihr verlorenes Krypto-Geld gegen eine Vorauszahlung zurückzuholen. Dies ist in der Regel ein weiterer Betrugsversuch. Seriöse Anwälte arbeiten transparent und ohne Erfolgsgarantien.

Spielt die BaFin eine Rolle bei Krypto-Betrug?

Ja, die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) ist die Aufsichtsbehörde für Finanzdienstleistungen. Sie veröffentlicht Warnungen vor unseriösen Anbietern und prüft, ob Krypto-Plattformen die erforderlichen Lizenzen (z.B. für das Kryptoverwahrgeschäft nach § 32 KWG) besitzen.

Welche Rolle spielen neue EU-Regulierungen wie MiCA oder TFR II?

Neue EU-Regulierungen wie MiCA schaffen einen einheitlichen Rechtsrahmen für Krypto-Dienstleister und erhöhen die Transparenz. TFR II erleichtert die Rückverfolgung von Krypto-Transaktionen durch die Verpflichtung zur Übermittlung von Sender- und Empfängerdaten, was die Arbeit der Ermittlungsbehörden unterstützt.

Kann ich auch bei Betrugsfällen mit ausländischen Tätern rechtliche Schritte einleiten?

Ja, auch bei Tätern im Ausland sind rechtliche Schritte möglich. Die internationale Zusammenarbeit der Behörden sowie neue EU-Richtlinien wie RL 2024/1260 erleichtern die grenzüberschreitende Verfolgung und Sicherung von Vermögenswerten. Die Erfolgsaussichten hängen jedoch von der Jurisdiktion und Kooperationsbereitschaft ab.

Glossar - Begriffe verständlich erklärt

Juristische und technische Fachbegriffe aus diesem Beitrag.

Strafanzeige
Die Meldung einer mutmaßlichen Straftat bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft, die das Ermittlungsverfahren einleitet.
Dinglicher Arrest
Eine gerichtliche Anordnung nach §§ 916 ff. ZPO zur vorläufigen Sicherung von Vermögenswerten, um eine spätere Zwangsvollstreckung zu gewährleisten.
Blockchain-Forensik
Die spezialisierte Analyse von Transaktionsdaten auf der Blockchain, um den Weg von Kryptowährungen nachzuvollziehen und Empfänger-Wallets zu identifizieren.
CEX (Centralised Exchange)
Eine zentralisierte Krypto-Börse, die Kryptowährungen für ihre Nutzer verwahrt und in der Regel KYC-Verfahren (Know Your Customer) durchführt.
Recovery-Scam
Eine Betrugsmasche, bei der Kriminelle Opfer erneut kontaktieren und versprechen, verlorenes Geld gegen eine Vorauszahlung zurückzuholen.
MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation)
Eine EU-Verordnung, die einen einheitlichen Rechtsrahmen für Krypto-Assets und Krypto-Dienstleister in der Europäischen Union schafft.
Kryptoverwahrgeschäft
Die Dienstleistung der Verwahrung von Kryptowährungen für Dritte, die in Deutschland einer Erlaubnispflicht der BaFin unterliegt (§ 32 KWG).
Ungerechtfertigte Bereicherung
Ein Rechtsanspruch nach § 812 BGB, der die Rückforderung von Leistungen ermöglicht, die ohne rechtlichen Grund erlangt wurden.

Sie sind betroffen?

Unverbindliche Erstberatung durch Dr. Kurth.

Fall prüfen lassen